Pressemitteilung vom 22. April 2024

Die Mitglieder des Hamburger Tierschutzverein von 1841 e.V. (HTV) schlossen am vergangenen Sonnabend (20. April 2024) das Geschäftsjahr 2023 ab. Nach einem Millionendefizit im Vorjahr schreibt der Verein nun wieder schwarze Zahlen. Trotzdem bleibt die Situation wegen der allgemeinen Kostensteigerungen angespannt. Der Vorstand wurde entlastet – und von den Mitgliedern für die kommenden vier Jahre in seinen Ämtern bestätigt.

Im Bürgerhaus Wilhelmsburg führte die 1. Vorsitzende Janet Bernhardt durch die Versammlung und erläuterte den Geschäftsbericht 2023. Mit einer Schweigeminute wurde zu Beginn der 67 verstorbenen Mitglieder gedacht. Die hohe Zahl erschütterte die erste Vorsitzende.

Janet Bernhardt zog ein kurzes Resümee der vergangenen Wahlperiode und dankte ihren Vorstandskolleg*innen für die gemeinsame erfolgreiche Arbeit in einer bewegenden Zeit. Ihr Dank galt auch den 4.485 Mitgliedern und 983 Pat*innen sowie allen Menschen, die den HTV in jeglicher Form unterstützten.

Geschäftsbericht 2023
Das Jahr 2023 war geprägt von Vertragsverhandlungen mit der Freien und Hansestadt Hamburg (FHH) und einem Vertragsabschluss zu neuen, verbesserten Konditionen. Weitere Verhandlungen mit der FHH um Anpassungen zum Wohle der Tiere für die Jahre 2025/2026 stehen nun bevor, so Janet Bernhardt.

Größtes Sorgenkind des HTV ist weiterhin das Tierheimgelände mit maroden Gebäuden. Ein anderes Grundstück für einen Neubau ist nicht in Sicht, darum bleibt dem HTV nichts anders übrig, als das jetzige Tierheimgelände teuer und aufwändig zu sanieren, umzustrukturieren und die kleine Erweiterungsfläche von 2.600 Quadratmetern so effektiv zu nutzen, wie möglich. Janet Bernhardt: „Wir werden das Beste daraus machen – vielleicht kommt ja doch noch eine Lösung um die Ecke. Wir geben nicht auf.“

Die Sanierung des Alten Katzenhauses zeigt Fortschritte, wird sich aber noch bis 2025 hinziehen. Es tauchen zudem immer mehr Probleme in der Bausubstanz der anderen Tierheimgebäude auf, sowohl ober- als auch unterirdisch. „Gefühlt kommen wöchentlich neue Katastrophen zutage und viele Maßnahmen zur Verbesserung des Tierheimbetriebes dauern Ewigkeiten – unter anderem aufgrund von Gesetzgebungen, Personalproblemen in allen Branchen, Kostensteigerungen sowie Materiallieferschwierigkeiten“, berichtete Janet Bernhardt. Immerhin konnte 2023 auf dem Tierheimgelände eine weiteres, dringend benötigtes Schildkrötengehege entstehen – mit Hilfe von Ehrenamtlichen, die den Verein vor allem im Rahmen sogenannter HelpDays unterstützten.

Personalprobleme sind im HTV, wie allerorts, weiter an der Tagesordnung: Zwar wurden 2023 neue Mitarbeitende eingestellt, es gab aber auch Kündigungen und der Trend zur Teilzeitarbeit besteht weiter. Daher versucht der Verein auch bei den Arbeitszeiten neue Wege zu gehen, um Mitarbeitende zu finden oder zu halten. Eine neue Betriebsvereinbarung, unter anderem mit an die wirtschaftliche Situation angepassten Gehältern, war ein erster Schritt.

Janet Bernhardt dankte den zahlreichen Ehrenamtlichen, die den HTV unterstützen. Sie wünscht sich aber noch mehr ehrenamtliche Unterstützung im Bereich Öffentlichkeitsarbeit, damit sich der Verein auf Veranstaltungen wie Mahnwachen, Demos und Festen häufiger präsentieren kann.

Die Öffentlichkeitsarbeit des Vereins war 2023 sehr erfolgreich, betonte Janet Bernhardt: Das Medieninteresse war groß und auch Influencer*innen, Sportvereine sowie Firmen haben Spendenaktionen zugunsten des HTV gestartet. Veranstaltungen wie Flohmärkte und das große Tierschutzfest haben viele Gäste ins Tierheim gelockt. Im Bereich Kinder- und Jugendarbeit sind die KinderSonntage weiterhin beliebt und auch eine neue Jugendgruppe befindet sich im Aufbau.

Besonders froh ist die erste Vorsitzende über die vertrauensvolle Zusammenarbeit mit anderen Tierschutzvereinen und -organisationen, die im Jahr 2023 sogar noch ausgebaut werden konnte. „Das Miteinander trägt langsam aber sicher Früchte – in der Öffentlichkeit und in der Politik werden wir gemeinsam wahrgenommen und es bewegt sich etwas. Die Themen Taubenschläge, Katzenschutzverordnung und Hundegesetz/Rasseliste werden offen besprochen und angegangen“ freut sich die 1. Vorsitzende. Höhepunkt war die gemeinsame, vom Leiter des Hamburger Franziskustierheim (Frank Weber) initiierte Aktion „10-Punkte-Plan zur Rettung der Tierheime“, die öffentlichkeitswirksam vor dem Hamburger Rathaus stattfand.

Vereinsergebnis
Schatzmeister Andreas Petersen erläuterte gemeinsam mit Steuerberater Marco Siebert einige Punkte des Finanzberichtes für das Geschäftsjahr 2023. Nach dem schlechten Vereinsergebnis mit 1,1 Millionen Euro Defizit für 2022 konnten nun wieder schwarze Zahlen verkündet werden, obwohl der Betrieb des Tierheims rund 1,8 Millionen Euro Verlust machte und die Personalkosten gestiegen sind. Das Plus von 202.158,25 Euro resultiert im Wesentlichen aus den erfolgreichen Nachverhandlungen mit der FHH über den Fundtiervertrag, gestiegenen Einnahmen aus Nachlässen und höheren Erträgen aus der Vermögensverwaltung. Der Schatzmeister dankte für die Unterstützung der Mitglieder sowie dem HTV nahestehenden Personen, denn 45 Prozent der Erträge resultierten aus Erbschaften, Spenden, Patenschaften und Mitgliedsbeiträgen.

Mitgliedsbeiträge
Die Versammlung stimmte der Abschaffung von Familienbeiträgen und der Umwandlung in Einzelmitgliedschaften ab 2025 zu.

Vorstand entlastet
Dem amtierenden Vorstand sprachen die Mitglieder das Vertrauen aus: Mit den Enthaltungen des Vorstands und nur zwei weiteren Enthaltungen wurde der Vorstand für das Geschäftsjahr 2023 entlastet. Die Rechnungsprüfer Friedrich Engelke und Thomas Kähler wurden von der Versammlung wiedergewählt.

Vorstandswahl
Rechnungsprüfer Thomas Kähler verkündigte das Ergebnis der Vorstandswahl – die HTV-Mitglieder hatten in den vergangenen Wochen per Briefwahl abgestimmt: Die erste Vorsitzende Janet Bernhardt, die zweite Vorsitzende Dr. Gabriele Waniorek-Goerke, Schatzmeister Andreas Petersen sowie die Beisitzerinnen Ruth Hartwich, Katharina Woytalewicz, Stefanie Bauche und der Beisitzer Oliver Schwarz wurden in ihren Ämtern bestätigt und nahmen die Wahl an.

Der alte und neue HTV-Vorstand