Der englische Begriff „Animal Hoarding“ lässt sich mit „Tiersammelsucht“ übersetzen. Er beschreibt ein Krankheitsbild, bei dem betroffene Menschen Tiere in so großer Anzahl halten, dass sie die Kontrolle verlieren und ihre Schützlinge nicht mehr angemessen versorgen können. Die meisten Fälle können erst mit Hilfe einer aufmerksamen Nachbarschaft aufgedeckt werden. Im Frühjahr kamen 31 Britisch-Kurzhaar-Katzen aus einem Animal-Hoarding-Haushalt in unsere Obhut - 20 von ihnen warten noch auf ein Zuhause.

Die kleine Lotta verkrümelt sich noch ein Stück weiter in die Ecke ihrer neuen Unterkunft. Mit großen Augen guckt sie ängstlich über ihre Schulter. Die zarte Madame ist eine von 60 Britisch-Kurzhaar-Katzen (BKH) eines Animal-Hoarding-Falls, die im Frühjahr in einer Hamburger Wohnung vom Veterinäramt sichergestellt wurden.

Lotta hat sich gut erholt und konnte in ein liebevolles Zuhause umziehen.

Was klingt wie ein schockierender Einzelfall, geschieht hinter verschlossenen Türen öfter, als man glauben mag. Bei Animal Hoarding handelt es sich um die krankhafte Sammelsucht von Tieren. Die Betroffenen erkennen dabei häufig nicht, wie schlecht es den Tieren in ihrer Obhut geht. Sie geben den Tieren zu wenig Futter, Wasser, vernachlässigen Hygiene, Pflege und medizinische Versorgung. Laut unseres Dachverbands Deutscher Tierschutzbund e.V. können die Ursachen für die Tiersammelsucht vielfältig sein. Häufig liegen den Fällen andere psychische Vorbelastungen zugrunde, die im Leid der Tiere ihren bitteren Gipfel finden.

In Zusammenarbeit mit verschiedenen Tierheimen konnten alle Katzen aus dem aktuellen Animal-Hoarding-Fall sicher aufgenommen werden. 31 der 60 BKH-Katzen fanden bei uns im Tierheim eine Obhut. Die Tiere befanden sich in einem schlimmen Zustand: Sie weisen teils starke Qualzuchtmerkmale auf, waren ängstlich und panisch. Der Zahnzustand der Katzen war teilweise so katastrophal, dass unsere Tierpflegenden sie intensiv versorgen und päppeln mussten oder Nahrungsaufnahme nur unter der Gabe von Schmerzmitteln erfolgen konnte.

Einige der Katzen leiden Qualzucht-bedingt unter massiven Augenproblemen. Die liebe Purzel ist sogar auf einem Auge blind.

Bei den Kastrationen kamen bei vielen Katzen Gebärmutterentzündungen und Zysten zutage – ein deutliches Symptom zu vieler Trächtigkeiten. Inzwischen wurden die Seelchen von uns intensiv medizinisch so erfolgreich versorgt, inklusive Zahnsanierungen, sodass sie endlich wieder schmerzfrei essen können.

Konny möchte mit seinem Kumpel Klemens in ein neues Zuhause umziehen.

Alle Schützlinge befinden sich nun auf dem Wege der Besserung und lernen vorsichtig, wieder Vertrauen zu fassen. Kein leichter Weg, denn die meisten von ihnen haben bisher nie erfahren dürfen, wie menschliche Liebe und Fürsorge aussieht und wie schön ein Katzenleben sein kann.

Chummy wartet mit ihrer Freundin Zummy auf ein liebevolles Zuhause.

Für unsere BKH-Schützlinge suchen wir ein liebevolles, ruhiges und verständnisvolles Zuhause – gerne zu zweit oder bei einem vorhandenen Partnertier, um sich gegenseitig ans Pfötchen zu nehmen. Für einige der Katzen haben wir inzwischen passende Zuhause gefunden - aber viele Katzen aus diesem Animal-Hoarding-Fall warten noch bei uns im Tierheim. Hier geht es zu den Katzensteckbriefen.

Animal Hoarding in Zahlen

Seit 2008 sammelt unser Dachverband, der Deutsche Tierschutzbund, Informationen zu Animal-Hoarding-Fällen und wertet diese seit 2012 regelmäßig aus. Demnach waren seit Beginn der Erhebung in Deutschland 50.970 Tiere betroffen. Meistens handelt es sich dabei um Katzen, aber auch Hunde und kleine Heimtiere wie Kaninchen, Meerschweinchen oder Ratten werden gehortet.

Wie kann geholfen werden?

Bei Animal Hoarding handelt es sich um ein anerkanntes Krankheitsbild. Die Ursachen hierfür können vielfältig sein – häufig liegen psychische Vorbelastungen zugrunde. Betroffenen wird empfohlen, psychiatrische oder psychotherapeutische Behandlung in Anspruch zu nehmen: Hilfe und Ansprechpersonen gibt es hier: Telefonseelsorge Tel. 0800 / 111 0 111 oder 0800 / 111 0 222 oder 116123 oder die Deutsche Depressionshilfe Tel. 0800 / 33 44 533