Das ist ein echtes (Vor-)Weihnachtswunder: Unsere fünf neugeborenen Katzenwelpen, die Mitte November nachts um 1:30 Uhr in einem Schuhkarton ausgesetzt gefunden wurden, haben alle überlebt! Die Kleinen wogen nur 80-90 Gramm und waren komplett ausgekühlt, weshalb ihre menschliche „Ersatzmama“, unser Vorstandsmitglied Stefanie Bauche, nicht zu hoffen wagte, dass alle durchkommen. „Das ist wirklich keine Selbstverständlichkeit, sondern ein Wunder – denn von so jungen Findlingen überlebt oft keines“, weiß Stefanie Bauche aus Erfahrung.

Gegen vier Uhr am 15. November 2025 kamen die Kätzchen im Tierheim an – um 11 Uhr holte Stefanie Bauche die Kleinen ab. Niemand weiß, ob sie schon länger am Fundort gelegen haben. Dass die Kleinen noch nie Muttermilch erhalten hatten, also keinerlei Nahrung, konnte Katzenexpertin Stefanie Bauche am ersten Stuhl der Katzenbabys erkennen.

Am Fundtag ...
Am Fundtag ...
Fünf Tage alt
... und fünf Tage alt.
10 Tage alt - die Äuglein öffnen sich
10 Tage alt: Die Äuglein öffnen sich

Inzwischen sind die Katzenmädchen Sinja & Sorka und die Katerchen Sefer, Shavi & Silvan knapp sechs Wochen alt und beginnen zu spielen und zu rennen, sie hopsen und raufen. „Es geht ihnen gut und ich denke, sie sind über den Berg“, so Stefanie Bauche.

18
18 Tage alt

Hilfe von Ehrenamtlichengruppe

Die Handaufzucht von Kätzchen ist eine Rund-um-die Uhr-Aufgabe: Anfangs werden die Kleinen alle zwei Stunden gefüttert – auch nachts. „Bei fünf Kitten ist das eine echte Herausforderung, die ohne Hilfe nicht zu schaffen ist“, sagt Stefanie Bauche und dankt ausdrücklich der Gruppe der „Kittenmamas“, die sie unterstützen, insbesondere Tina Urlass, die sogar für die erste Woche zu ihr zog. Obwohl Stefanie Bauche in der Handaufzucht von Katzenbabys sehr erfahren ist, war dieser Fall ein ganz besonderer: „Fünf Neugeborene auf einmal habe ich noch nie aufgezogen. Momentan bin ich dauermüde, füttere zwar „nur“ noch einmal in der Nacht, aber habe seit fünf Wochen keine Nacht durchgeschlafen. Immerhin gehen jetzt alle allein aufs Klo“, berichtet Stefanie Bauche.

Auch emotional ist die Aufzucht für sie immer sehr herausfordernd: „Das Bangen um diese kleinen Leben ist hart, denn man tut alles, was man kann - und verliert sie oft doch.“ Mehr als 100 Pfleglinge hat Stefanie Bauche bisher versorgt und weiß daher: Sind sie weniger als eine Woche alt, überlebt nur die Hälfte der Kitten-Problemfälle.

26 Tage alt
26 Tage alt

Handaufzucht – nicht unproblematisch

Außerdem: Die Handaufzucht ist für das spätere Leben der Katzen nicht unproblematisch: Die Kleinen werden fehlgeprägt, denn sie himmeln ihre Ersatzmama an, die ihnen nicht alles beibringen kann. Und man muss nun mal hinschauen, während man die Fütterspritze führt und die Kleinen zur Verdauung massiert. Die Kätzchen finden dann das „Anstarren“ schön und starren auch zurück. Das aber ist das Gegenteil von Katzensprache (Anstarren = Drohen). Glücklicherweise ist den Kätzchen viel Wissen angeboren: So gehen sie ab der circa vierten bis fünf ten Lebenswoche von selbst aufs Klo. Auch das Verhalten wie Buckeln, Fell zu sträuben und miteinander zu raufen entwickelt sich von alleine.

Zum Vergleich: drei und 30 Tage alt
Zum Vergleich: drei und 30 Tage alt

Zudem ist die Handaufzucht ein finanzieller Batzen: Stefanie Bauche hat errechnet, dass ein Kitten bis zur Vermittlung allein für Milchpulver und Futter etwa 400 Euro kostet. Dazu kommen die Kosten für Katzenstreu, Impfungen, Chippen, Kastration und Medikamente (Wurmkuren etc.) – im Tierheim entstehen zudem Personalkosten, wenn nicht Ehrenamtliche wie Stefanie Bauche die Aufzucht übernehmen. Für Privatleute, deren Katze geworfen hat, entstehen viel weniger Kosten - da liefert die Mutterkatze die anfängliche Nahrung durch das Säugen selbst und macht die gesamte Aufzuchtarbeit.

Die Kitten sind 32 Tage alt, spielen und toben - hier Silvan
Sorka
Shavi
Sinja
Sefer

Katzenschutzverordnung soll Abhilfe schaffen

„Der Fall der fünf ‚Karton-Kitten‘ ist beispielhaft für eine größere Problematik unkastrierter Katzen in Privathaushalten“, sagt Stefanie Bauche: „Solche entsorgten Würfe kommen immer wieder zu uns ins Tierheim. Oftmals werden Kitten im Müll entsorgt – und uns von der Stadtreinigung gebracht. Wir hoffen auf die Katzenschutzverordnung, die in Hamburg ab dem 1. Januar 2026 gilt. Das Kastrieren, Chippen und Registrieren von Freigängerkatzen aus Privathaushalten wird ungewollten Nachwuchs und Katzenleid auf den Straßen lindern, wie sich andernorts schon gezeigt hat.“

Fahndungsaufruf – Spenden statt Hinweise

Durch die Trennung vom Muttertier und kalte Temperaturen wurde das Leben der Kleinen bewusst aufs Spiel gesetzt. Da es sich dadurch um eine Straftat nach dem Tierschutzgesetz handelt, hat die Tierschutzberatung des Hamburger Tierschutzverein von 1841 e.V. (HTV) Anzeige gegen Unbekannt erstattet. Nicht nur die Kleinen, auch das Muttertier mussten qualvolle Tage durchmachen, sofern sich der Halter oder die Halterin für die Nachsorge nicht an eine tierärztliche Praxis gewandt hat: Die Katze leidet unter einem Milchstau und womöglich Entzündungen, weil sie ihre Kleinen nicht säugen kann.

Wir haben einen Fahndungsaufruf veröffentlicht, um Hinweise zur Herkunft der Kätzchen zu erhalten. Leider hat sich bisher niemand mit Hinweisen gemeldet – aber es wurde von tierlieben Menschen für die Versorgung der Kitten gespendet, wofür wir von Herzen danken!