Heute, am 16.07.2025, ist Welt-Schlangentag! Mit einer Länge von zwei bis drei Metern ist die Boa constrictor imperator, auch Kaiserboa genannt, die längste Abgottschlange. Kein Wunder also, dass die imposanten Schuppenkriechtiere es besonders schwer haben, ein artgerechtes und liebevolles Zuhause zu finden. Doch nicht nur ihre Größe lässt Chantal bereits seit 2015 auf ihr Für-immer-Zuhause warten, denn die schöne Boa ist krank.

Mit neugierigem Blick schaut Chantal aus ihrem Terrarium. Die circa 2010/2011 geschlüpfte Schönheit genießt gerade die Strahlen ihrer Wärmelampe – neben der Badezeit, der sie regelmäßig frönt, eine ihrer Lieblingsbeschäftigungen. Die große Schlange mit dem exquisiten Muster hat die Einschlusskörperchenkrankheit (IBD = Inclusion Body Disease): Erkrankte Tiere sterben an schweren neurologischen Störungen, die eine Nahrungsaufnahme verhindern.

Wacher Blick und müder Körper

Mit einem zunächst langsamen Verlauf, oft über Monate oder sogar Jahre, entwickelt sich die Situation für betroffene Schlangen irgendwann drastisch. Anfangs zeigen sich häufig geringe Anzeichen einer zentralen neurologischen Störung, die sich im weiteren Krankheitsverlauf verstärken: Nervosität mit übersteigerten Reaktionen, eine schlaffe Muskulatur, Bewegungsschwäche, unterschiedlich große Pupillen, Kopfzittern, Kopfverdrehen, ungewöhnliche Bewegungsabläufe, Desorientierung, Lähmungen, fehlender Umkehrreflex, Erblinden. Hinzu kommen eine langsam fortschreitende Appetitlosigkeit und schließlich Nahrungsverweigerung. Da das Immunsystem erheblich belastet wird, können zahlreiche weitere Symptome auftreten. Die Krankheit endet, ist sie einmal ausgebrochen, in der Regel tödlich. Doch auch Tiere mit IBD können gut betreut ein schönes und verhältnismäßig langes Leben führen.

Ein Herzzzz für Schlangen

Für Chantal bedeutet ihre Krankheit also auch regelmäßige medizinische Untersuchungen. Bei ihrer Größe ist da gutes Teamwork gefragt. Wie alle Schlangen lässt sich auch die sssschöne „Kaiserin“ von uns nicht so gerne hochheben. Inzwischen kennt die schuppige Madame die Routinen aber bereits und bleibt gelassen, selbst wenn Untersuchungen wie eine Blutabnahme nötig sind. Blut muss bei Schlangen aus einer Vene am Herzen genommen werden. Hierfür wird mit einem Ultraschallgerät das Herz lokalisiert und anschließend vorsichtig die Abnahme getätigt. Insgesamt ist dafür ein fünfköpfiges Team nötig.

Nicht mehr Schlange stehen

Aufgrund ihrer Größe und Krankheit steht Chantal also bereits seit 2015 bei uns „Schlange“, während andere schlängelnde Freunde schon lange ein Zuhause gefunden haben. Ihre Krankheit ist nicht auf Menschen übertragbar, bedarf aber natürlich etwas mehr als ein Terrarium mit Klettermöglichkeiten, Unterschlüpfen zum Verstecken und ihrem geliebten Wasserbecken, nämlich auch ein besonderes Augenmerk auf ihre gesundheitlichen Bedürfnisse. Wir hoffen jedoch sehr, dass die hübsche Boa doch noch in ein Leben außerhalb des Tierheimes zurückkehren darf, denn sie hat es, wie jedes Tier natürlich, sssssssso verdient.

Gerade alte oder kranke Tiere warten oft lange Zeit auf ein liebevolles Für-immer-Zuhause. Viele unserer Schützlinge freuen sich während ihrer Zeit bei uns über Unterstützung in Form einer Patenschaft.