Das Leid der Schweine: Arme Sau!

Leben auf Beton und in den eigenen Exkrementen. Foto: ARIWALeben auf Beton und in den eigenen Exkrementen. Foto: ARIWASchwein gehabt, kein Schwein zu sein. Denn den meisten dieser Tiere geht es in Deutschland nicht gerade rosig. Zum Tag des Schweins brechen wir für die intelligenten und empfindsamen Geschöpfe eine Lanze und appellieren an Ihr Mitgefühl.

In Deutschland werden derzeit knapp 26 Millionen Schweine gehalten (Stand 3. November 2020). Zum Vergleich: Im größten Bundesland Nordrhein-Westfahlen leben gerade einmal 17,9 Millionen Menschen (Stand 2019). Schweine werden in Deutschland mit Abstand am meisten gegessen – von den rund 60 Kilogramm Fleisch pro Bundesbürger*in entfallen zwei Drittel auf die Tiere

Ein Leben auf Beton

Selbst die höchste Stufe des Tierwohlkennzeichens sieht für Schweine nur 1,5 Quadratmeter "Platz" vor. Screenshot: BMELSelbst die höchste Stufe des Tierwohlkennzeichens sieht für Schweine nur 1,5 Quadratmeter "Platz" vor. Screenshot: BMELDie deutlich überwiegende Mehrheit der Schweine (mehr als 21,8 Millionen) muss bis zur Schlachtung in einer Haltung mit Vollspaltenböden leben. Statt im Stroh – mit dem sie sich wenigstens beschäftigen könnten - laufen und schlafen die Tiere durchgängig auf hartem Boden, der in der Regel aus Beton besteht. Darin sind Spalten eingelassen, damit die Exkremente hindurchfallen. Der permanent harte Untergrund führt bei den Tieren zu großen gesundheitlichen Problemen. Im Vergleich zu anderen Haltungsformen leiden diese Schweine deutlich öfter an Schleimbeutelentzündungen, Magengeschwüren, Lungenentzündungen sowie unterschiedlichsten Verletzungen am Körper und sterben auch früher. Der gesetzliche Mindeststandard für den Platz eines einzelnen Tieres liegt bei 0,75 Quadratmetern – die höchste Stufe des “Tierwohl”-Labels sieht 1,5 Quadratmeter vor. Die Enge und auch Langeweile führen zu Konflikten und Beißereien unter den Tieren – in Einzelfällen dürfen noch immer die Ringelschwänze abgetrennt werden.

Acht bis 15 Jahre weiter im Metallkäfig

Das Leben einer Mutter.Das Leben einer Mutter.Für die “Produktion” der Schweine werden die weiblichen Tiere im “Deckzentrum” künstlich besamt und in einen Kastenstand (Metallkäfig) gesperrt. Dort müssen sie vier Wochen bewegungslos ausharren. Kurz vor der Geburt ihrer Kinder werden sie erneut in einen Metallkäfig gepfercht, der sich “Abferkelbucht” nennt. Dort bleiben sie etwa drei Wochen, bevor ihnen die Ferkel entrissen werden. In der Industrie wird die “Abferkelbucht” gern als Sicherheitsmaßnahme für die Ferkel verteidigt, da diese von einer gestressten oder unvorsichtigen Mutter erdrückt werden könnten. Hätten die Tiere jedoch genügend Platz, würde es dazu gar nicht so leicht kommen können. Die neuen Regelungen der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung sehen beschämenderweise vor, dass sich an diesem grausamen System auch erst einmal nichts ändert. Für die Umsetzung des Verbots der Kastenstandhaltung im Deckzentrum gibt es eine Übergangszeit von acht Jahren. Mehr Platz für die Tiere im Zeitraum nach dem “Absetzen bis zur Besamung” (mind. 5 Quadratmeter je Tier) muss es erst nach einer Übergangszeit von acht Jahren geben. Nach der Geburt sollen Mutter und Kinder zwar nur noch maximal fünf Tage im Kastenstandhaltung gehalten werden dürfen – gesetzlich verpflichtend aber auch erst nach einer Übergangszeit von 15 Jahren. 

Im System schnell ausgedient

Die weiblichen Schweine sind nach drei bis vier Jahren unproduktiv und werden geschlachtet. Die Mastschweine haben mit sieben bis acht Monaten ihr „Schlachtgewicht“ von etwa 110 Kilogramm erreicht, die natürliche Lebensdauer eines Schweins liegt dagegen bei bis zu zehn Jahren. Im Rahmen der Corona-Pandemievorsichtsmaßnahmen und möglichen Krankheitsfällen in den Schlachtbetrieben kommt es bereits zum “Schweine-Stau” - die Tiere warten auf den Tod, während ihr "Preis" weiter sinkt. Diese Entwicklung macht das groteske Ausmaß der Tierindustrie überdeutlich. Schweine haben es nicht verdient, auf Beton zu leben. Sie haben es nicht verdient, in Metallkäfigen ihre Kinder zu versorgen. Sie haben es nicht verdient, unerbittlich gemästet zu werden und noch nicht einmal ihr erstes Lebensjahr zu überstehen.

Bitte zeigen Sie Mitgefühl mit den mehr als 26 Millionen Schweinen in Deutschland, deren leidvolles Leben von Geburt an vorbestimmt ist. Die Tiere sind mit dem Menschen genetisch verwandt, schlauer als Hunde und sehr sensibel. Bitte bedenken Sie all dies beim nächsten Einkauf und finanzieren Sie das apokalyptische Grauen nicht mit. Die Tiere werden es Ihnen danken!