Stephan Jersch und Jens Schultz zu Besuch im Hamburger Tierschutzverein. Von links nach rechts: Janet Bernhardt, Stephan Jersch, Jens Schultz, Dr. Gabriele Waniorek-Goerke, Stefanie Bauche.Stephan Jersch und Jens Schultz zu Besuch im Hamburger Tierschutzverein. Von links nach rechts: Janet Bernhardt, Stephan Jersch, Jens Schultz, Dr. Gabriele Waniorek-Goerke, Stefanie Bauche.Am Mittwoch, den 3.August 2022, kamen Stephan Jersch, Mitglied der Fraktion „Die Linke“ in der Hamburger Bürgerschaft, und sein Mitarbeiter Jens Schultz zu uns ins Tierheim Süderstraße. Sie wollten sich vor Ort ein Bild vom Zustand des Tierheims machen und aktuelle Fragen zum Tierschutz in Hamburg diskutieren. Seitens des Vorstandes des Hamburger Tierschutzvereins wurden die Herren von Janet Bernhardt, Dr. Gabriele Waniorek-Goerke und Stefanie Bauche empfangen.

Ein reges, circa zwei Stunden währendes Gespräch schloss sich an. Die erste Frage galt der Katzenschutzverordnung, die in Hamburg immer noch auf sich warten lässt. Obwohl der Prüfauftrag an die Verwaltung zum Nutzen einer solchen Verordnung bereits am 31. März 2022 abgelaufen ist, liegt bislang kein Ergebnis vor. Nachvollziehbar ist es nicht, wenn dafür als Erklärung vom Senat angeboten wird, die Problematik sei so komplex, dass sie nicht fristgerecht habe bearbeitet werden können. Andere Bundesländer und Kommunen sind da weiter. Es gibt mittlerweile sogar in dem Stadtstaat Berlin eine Chip- und Kastrationspflicht für Katzenhalter und -halterinnen. Nur Hamburg kommt hier nicht so richtig „zu Potte“.

Nach wie vor ein äußerst trauriges Kapitel: das Hamburger Hundegesetz. Warum Hamburg sich nicht nach dem Vorbild etwa von Schleswig-Holstein oder Niedersachsen von Rasselisten ganz verabschiedet und stattdessen einen Hund nur dann als gefährlich einstuft, wenn er durch ein übersteigertes Aggressionsverhalten gegenüber Mensch oder Tier auffällig geworden ist, lässt sich wissenschaftlich nicht begründen. Warum man in Hamburg nicht wenigstens die Rasseliste der unwiderlegbar gefährlichen Hunde einstampft und auch Pitbulls, Staffs und Co. die Möglichkeit eröffnet, durch einen Wesenstest ihre per Gesetz unterstellte Gefährlichkeit zu widerlegen, bleibt ein Geheimnis der Hamburger Politik. Es lohnt sich jedoch, immer wieder dieses unwissenschaftliche Hundegesetz anzuprangern, um vielleicht schlussendlich auch in unserer Stadt zu einem Umdenken zu gelangen.

Auch das Schicksal der Stadttauben und insbesondere der Tauben, die beringt sind, aber trotzdem nicht an ihre Halterinnen oder Halter zurückgegeben werden können, interessierte die Herren. Es gibt in der Europäischen Union kein einheitliches System zur Beringung von Tauben, sodass sie trotz Ring in den meisten Fällen nicht in ihren Heimatschlag überführt werden können. Der bleibt meistens nicht ermittelbar. Hier kann und muss auf europäischer Ebene durch Vereinheitlichung Abhilfe geschaffen werden.  

Schließlich ist der Fachkräftemangel, der mit voller Wucht den HTV wie auch alle anderen Tierheime trifft, ausführlich erörtert worden. Der Mangel an qualifiziertem Personal führt dazu, dass Tierheime in der Konkurrenz etwa mit Tierarztpraxen häufig den Kürzeren ziehen. Sie sind bei der Bezahlung, den Arbeitszeiten und den sonstigen Arbeitsbedingungen für viele potenzielle Bewerberinnen und BEwerber leider nicht hinreichend attraktiv.

Die Unterbringungsmisere im Tierheim ist mehr als augenfällig: zu viele Tiere auf viel zu engem Raum; ein wegen Baufälligkeit geschlossenes Tierhaus; eine Erweiterungsfläche, die nicht bebaut werden darf. Dürfen oder sollten wir am Standort Süderstraße überhaupt noch in baufällige Tierhäuser investieren? Gibt es im Hamburger Stadtgebiet eine Alternative zum jetzigen Standort? Fragen über Fragen, aber nach zwei Stunden war die Zeit leider um.

Über das Interesse am Tierschutz haben wir uns sehr gefreut und wir danken Stephan Jersch und seinem Mitarbeiter Jens Schultz für ihren Besuch. Wir verbinden damit die Hoffnung, dass sie das Problembewusstsein für den Tierschutz unter den Parlamentarierinnen und Parlamentariern verstärken. Wir waren uns einig, dass für die Stadt Hamburg ein modernes,  tierschutzgerechtes Tierheim in allernächster Zeit planbar werden muss.

Wir freuen uns sehr über das Interesse am Diskurs und hoffen, dass wir über einige Tierschutzthemen aufklären konnten.Wir freuen uns sehr über das Interesse am Diskurs und hoffen, dass wir über einige Tierschutzthemen aufklären konnten.