Der HTV zum Abschuss von „Problem-Wölfen“ – Teil 1

"Willkommen!" Seit dem Jahr 2000 ist der Wolf zurück in Deutschland."Willkommen!" Seit dem Jahr 2000 ist der Wolf zurück in Deutschland.Bundestag und Bundesrat haben eine Änderung des Bundesnaturschutzgesetzes beschlossen. Demnach können Wölfe nun leichter abgeschossen werden, wenn sie „Schäden“ verursachen. Dafür muss keine Zuordnung zu dem jeweiligen Tier mehr erfolgen – es reicht aus, wenn es zeitlich und räumlich in Zusammenhang mit dem Riss steht, um zum Abschuss freigegeben zu sein.

HTV fordert: Mehr Informationen statt Abschuss!

Das Gesetz sieht vor, dass aus dem Rudel so viele Wölfe geschossen werden dürfen, bis der „Schaden“ aufhört. Zudem dürfen die Tiere aus Sicherheitsgründen geschossen werden (hierzu nachfolgend mehr: „Ist der Wolf für uns Menschen gefährlich?“). Das Füttern von Wölfen ist zudem ab sofort untersagt – eine immerhin sinnvolle Maßnahme, da die Gewöhnung des Wolfs an den Menschen mehrheitlich durch Anfüttern zustande kommt. Wolfshybride, also Wolf-Haushund-Mischlinge, sind nach dem Gesetz nun vogelfrei, da sie den Artenschutz gefährden würden.

Warum der Hamburger Tierschutzverein (HTV) sich im ersten von zwei Beiträgen für mehr Aufklärung zum Thema Wolf einsetzt, der laut des neuen Gesetzes auch im Interesse der Gesundheit des Menschen geschossen werden kann (§ Absatz 7 Satz 1 Nummer 4), lesen Sie im Folgenden. Hier finden Sie auch weitere Fakten um aktuelle Fragen zum Wolf in Deutschland. Im zweiten Teil, der in naher Zukunft folgt, wird es um den Herdenschutz gehen.

Ist der Wolf für uns Menschen gefährlich?

Seit 2000 gibt es wieder Wölfe in Deutschland – 2019/2020 waren es laut der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) insgesamt 128 bestätigte Rudel, 35 Paare und 10 territoriale Einzeltiere. Dem Naturschutzbund Deutschland (NABU) zufolge hat sich seit 2000 noch keines dieser Tiere dem Menschen gegenüber aggressiv verhalten. Von Wildschweinen gehe durch ihre Wehrhaftigkeit statistisch gesehen eine größere Gefahr aus, als vom Wolf. In ganz Europa habe es zwischen 1950 und 2000 nur 59 Zwischenfälle mit Menschen gegeben, bei denen neun Personen getötet wurden. Die Ursachen dafür waren Tollwut (seit 2008 gilt Deutschland als tollwutfrei) bzw. das nachweisliche Anfüttern oder Provozieren der Tiere. In der Regel ziehen sich Wölfe beim Zusammentreffen mit Menschen ruhig zurück, auch ihren Riss verteidigen sie selten. Ob ein Wolf potenziell gefährlich werden könnte, wird dadurch bewertet, inwieweit das Tier ein furchtloses Verhalten gegenüber Menschen entwickelt und deren Nähe duldet oder aktiv sucht. Die DBBW erläutert: „Wölfe, die weder positive noch negative Erfahrungen mit Menschen gemacht haben, reagieren bei Begegnungen mit Menschen und Fahrzeugen in der Regel zwar vorsichtig, aber nicht extrem scheu.“

Wann nähert sich der Wolf?

Wölfe fangen also nicht per se an, sich für Menschen zu interessieren. Und es gibt auch keine wissenschaftlichen Belege dafür, dass Wölfe in nicht-bejagten Populationen früher oder später gefährlich werden, sagt die DBBW. Menschen können die Tiere durch ihr Verhalten jedoch bewusst oder unbewusst so stark an sich gewöhnen, dass diese distanzloser werden. Auch, wenn sich Menschen wiederholt Wolfswelpen annähern (Wölfe verteidigen ihre Welpen in der Regel nicht gegenüber Menschen), kann das im Erwachsenenalter der Tiere zu einem problematischen Verhalten führen. Ein entscheidender Aspekt ist laut der DBBW auch die Gewöhnung durch das bewusste oder unabsichtliche Zugänglichmachen von Futter als positives Erleben für die Wölfe – so auch von anderen Wildtieren wie Wildschweinen, Waschbären oder Füchsen bekannt. Doch nicht jeder Wolf ist empfänglich für diese Reize – manche Tiere sind eher vorsichtig, andere explorativ. Wölfe, die sich über mehrere Tage unter 30 Metern bewohnten Gebäuden nähern, werden oft als „dreist“ empfunden und stehen unter Beobachtung. Die meisten Wolfsmeldungen erweisen sich nach Einschätzung der Expert*innen jedoch als unproblematisch. Im Gegenteil: Es kam sogar wiederholt zu Falschmeldungen über angebliche Wolfsangriffe.

Grundsätzlich gilt aber: Die Sichtung und Entwicklung von Wölfen wird durch ein sogenanntes Wolfsmanagement in den einzelnen Bundesländern überwacht und auch vor Ort untersucht, weshalb Wolfssichtungen gemeldet werden sollten.

Ist der Wolf für meinen Hund gefährlich?

Hunde können das Verhalten von Wölfen beeinflussen, da diese als Sozialpartner (Paarungspartner, Spielgefährte oder Konkurrent) wahrgenommen werden. Die weitaus meisten Hundehalter*innen in einem Wolfsgebiet werden jedoch nie einem Wolf begegnen, selbst wenn sie täglich ihre Hunde ausführen, schreibt die DBBW. Vereinzelt könne es dazu kommen, dass Wölfe einen Hund beim Aufeinandertreffen vertreiben wollen. 2019 wurden auch zwei Übergriffe auf Hunde registriert: In Sachsen wurde ein Hund nachts außerhalb des Grundstückes in einer Siedlung von einem Wolf getötet, in Niedersachsen meldete man einen verletzten Herdenschutzhund. Diese Zahl ist aber verschwindend gering und ob die Verletzungen im zweiten Fall von einem Wolf stammten, blieb unklar. Der NABU empfiehlt jedoch, Hunde in Wolfsgebieten anzuleinen und sich gegebenenfalls langsam zurückzuziehen.

Fazit

Das Gesetz erlaubt es, Wölfe aus Sicherheitsgründen zu schießen. Statistisch gesehen geht von einem Wildschwein jedoch eine weitaus größere Gefahr für uns Menschen aus, als von einem Wolf. In der Regel ziehen sich die Tiere noch vor einer direkten Begegnung ruhig zurück. Seit 2000, seitdem es wieder Wölfe in Deutschland gibt, hat es keinen Übergriff auf Menschen gegeben.

Die Informationen für diesen Artikel basieren mehrheitlich auf den Angaben des Naturschutzbund Deutschland (NABU) und der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW). Hier finden Sie die Links:

https://www.dbb-wolf.de/Wolfsmanagement/Bundesl%C3%A4nder/umgang-mit-auffaelligen-woelfen

https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/wolf/wissen/15812.html

https://www.nabu.de/tiere-und-pflanzen/saeugetiere/wolf/deutschland/index.html