Derby: HTV vor Ort, als Hengst Gepard starb

Pferde sind keine Sportgeräte! V.l.: Unsere Vorstandsmitglieder Ivonne Stetefeld und Selina Härtel mit unserer 2. Vorsitzenden Katharine Krause.Pferde sind keine Sportgeräte! V.l.: Unsere Vorstandsmitglieder Ivonne Stetefeld und Selina Härtel mit unserer 2. Vorsitzenden Katharine Krause.Pressemitteilung mit Update der Todesliste

Der Hamburger Tierschutzverein (HTV) war am letzten Renn- und Todestag von Hengst Gepard vor Ort. Am Sonntag, den 7. Juli 2019, protestierten HTV-Vorstandsmitglieder und weitere Aktive das sechste Jahr in Folge gegen den Missbrauch von Pferden als Sportgerät beim „IDEE – 150. Deutsches Derby“ auf der Horner Rennbahn.

Bei kühlen Temperaturen, welche den zum Rennen gezwungenen Pferden zumindest kein zusätzliches Leid bescherten, fanden sich mehr als 30 Tierschützerinnen und Tierschützer mit Protestplakaten und Info-Flyern vor der Horner Rennbahn ein. Unterstützt wurde die Mahnwache durch die HTV-Kooperationspartner ARIWA (Animal Rights Watch) Hamburg, Animals United Aktionsgruppe Hamburg, PETA ZWEI Streetteam Hamburg und die Tierrechtsinitiative Hamburg.

„Hier sterben Pferde für Sie!“

Da bereits sechs Pferde ihr Leben auf der Horner Rennbahn seit 2013 lassen mussten, wurden in Gedenken an die Verstorbenen Traueranzeigen sowie der Schriftzug „Hier sterben Pferde für Sie“ auffällig präsentiert. Auch ein als totes Rennpferd verkleideter Mensch, der am Boden lag und mit Grabsteinen und -kerzen umrandet worden ist, zeigte den Besucherinnen und Besuchern ganz eindeutig, worauf sie sich einließen: Todesrennen! Katharine Krause, 2. Vorsitzende des HTV, mahnte eindringlich: „Das Sterben der Pferde kann nicht mehr toleriert werden! Wir fordern den Hamburger Renn-Club e.V. auf, zumindest auf das besonders gefährliche Hindernisrennen ab sofort zu verzichten.“ HTV-Vorstandsmitglied Ivonne Stetefeld geht in ihren Forderungen noch weiter: „Wir erwarten, dass der Veranstalter eine Gedenktafel für die Verstorbenen sichtbar für alle potenziellen Besucherinnen und Besucher des Pferderennens aufstellt. Wer es dann noch übers Herz bringen kann, ein solches Todesrennen zu besuchen, der hat hoffentlich große Gewissensbisse dabei.“ Die Besuchenden des Derbys waren zum Teil offensichtlich schockiert, da sie es nicht mitbekommen hatten, dass hier wieder ein Tier sterben musste. Einer Besucherin liefen die Tränen herunter, nachdem sie von Captain Von Trappes Tod erfahren hatte. In diesem Jahr waren es sicher nicht weniger Besucherinnen und Besucher des Derbys als die Jahre zuvor, aber die Gespräche, bewegt durch den aktuellen Todesfall, von einer besonders emotionalen Qualität. HTV-Vorstandsmitglied Selina Härtel stellte fest: „Wir konnten einige Besucherinnen und Besucher davon überzeugen, dass das Risiko für die Pferde einfach zu hoch ist. Sie haben uns versprochen, im nächsten Jahr nicht wieder zu kommen und uns sogar beim Protest zu unterstützen.“

Aufmerksamkeitsstark setzten HTV-Aktive ein Zeichen gegen den Missbrauch der Pferde.Aufmerksamkeitsstark setzten HTV-Aktive ein Zeichen gegen den Missbrauch der Pferde.Auch kleine Tierschützerinnen und Tierschützer riefen zum Protest auf.Auch kleine Tierschützerinnen und Tierschützer riefen zum Protest auf.Die Presse begleitete unsere Mahnwache.Die Presse begleitete unsere Mahnwache.

Captain Von Trappe und Gepard mussten ihr Leben lassen

Wie viele Tiere müssen noch sterben?Wie viele Tiere müssen noch sterben?Der Hamburger Renn-Club e.V. hat es auch in diesem Jahr zugelassen, dass bei den veranstalteten Pferderennen in Horn zwei Pferde ihr Leben lassen mussten. Zur großen Trauer und zu unserem Entsetzen starb im achten Rennen des Derby-Meetings der fünfjährige Hengst Gepard, der ohne Fremdeinwirkung auf der Rennbahn umknickte, sich dabei Fessel- und Röhrbein brach und noch vor Ort eingeschläfert werden musste. Das Sterben der Tiere wird hier billigend in Kauf genommen. So sagte der zuständige Tierarzt Weigland zum Tod des Hengsts Gepard: "... passiert aber leider immer wieder im Pferdesport-Alltag“. "Es lief heute alles ideal", freut sich auch der Sieger des Derbys. Und Bürgermeister Tschentscher schaute zu.
Der HTV fordert speziell Eugen-Andreas Wahler, den Vorsitzenden Hamburger Renn-Club e.V., auf: „Unterbinden Sie ab sofort das Seejagdrennen, welches ein noch höheres Risiko als die Flachrennen für die Pferde birgt und errichten Sie ein Mahnmal in Gedenken der auf Ihrer Rennbahn verstorbenen Pferde!“

Der zehnjährige Wallach Captain Von Trappe warf bereits am 3. Juli seinen Reiter im Wasser ab und kollidierte mit einer Begrenzungsstange. Den erlittenen Genickbruch überlebte das Pferd nicht und verstarb noch vor Ort. Dieses sogenannte Seejagdrennen im Rahmen der Galopp-Derbywoche auf der Horner Rennbahn gehört wohl zu den beliebtesten Rennen bei den Besucherinnen und Besuchern. Die Belastung und Unfallgefahr der Tiere ist noch höher als bei den Flachrennen. Getoppt wird die moralisch höchst verwerfliche Euphorie wohl nur beim Finaltag, anlässlich dessen der HTV vor Ort war und dieses Mal einen besonderen Schwerpunkt neben der Tierqual auf die verstorbenen Pferde gelegt hat.

Die Todesliste auf einen Blick:

  • 2011 bis 2013: 46 Pferde sterben direkt auf deutschen Galopprennbahnen, 735 Pferde sterben insgesamt für den Galopp- und Trabrennsport
  • 2013: Die Stute Glad Royal und der Wallach Cool Kid sterben auf der Horner Rennbahn in Hamburg, nachdem sie miteinander kollidierten. Dieses Drama markiert den Auftakt der HTV-Proteste.
  • 2014: Die Stute Bella Sue bricht sich in Zweibrücken am 13. April ein Bein direkt nach dem Zieleinlauf und wird eingeschläfert.
  • 2014: Der Wallach Action Devil bricht sich beim Rennen in Köln am 9. Juni ein Bein und wird eingeschläfert.
  • 2014: Der Wallach Glengoyne bricht sich in der Rennbahngemeinde Hoppegarten nahe Berlin die rechte Fessel und wird eingeschläfert.
  • 2014: Die Stute Lady Of Budysin stürzt während eines Rennens in Frankfurt im Juni und erliegt einer dadurch entstandenen Hirnblutung.
  • 2014: Der Wallach Imondo rennt nach einem Rennen in Düsseldorf am 16. Juli gegen eine Eisenschranke, überschlägt sich und wird aufgrund der entstandenen Verletzungen eingeschläfert.
  • 2014: Die Stute Sonja Queen stirbt nach einem Rennen in Bad Doberan im August.
  • 2014: Die Stute The One And Only bricht sich am 31. August in Magdeburg ein Bein und wird eingeschläfert.
  • 2015: Der Wallach Alexis Sorbas bricht sich am 17. Mai beim Rennen in Sonsbeck ein Bein und wird eingeschläfert.
  • 2015: Die Stute Schwarzgelb bricht sich am 25. Mai beim Rennen in Hannover ein Bein und wird eingeschläfert.
  • 2015: Die Stute La Grassetta bricht sich am 1. Juni in der Rennbahngemeinde Hoppegarten nahe Berlin ein Bein und wird eingeschläfert.
  • 2015: Die Stute Akua'na verletzt sich beim Rennen in Baden-Baden am 4. Juni schwer und stirbt.
  • 2015: Die Stute Beltane Fire bricht sich am 28. Juni in Meißenheim das Bein und wird eingeschläfert.
  • 2015: Die Stute High Love bricht sich in Erbach am 26. Juli ein Bein und wird eingeschläfert.
  • 2015: Die Stute Honora Directa bricht sich in Düsseldorf am 2. August ein Bein und wird noch vor Ort eingeschläfert.
  • 2015: Die Stute Gisele verletzt sich beim Ausgaloppieren in Webenheim so schwer, dass sie eingeschläfert wird.
  • 2015: Die Stute Illusion erleidet am 29. August in Iffezheim eine offene Fraktur und wird eingeschläfert.
  • 2015: Der Wallach Maupiti Express verstirbt an einem Aortaabriss in Baden-Baden am 2. September.
  • 2015: Der Hengst Korado bricht sich am 13. September in München ein Bein und wird eingeschläfert.
  • 2015: Der Wallach Vale Of Lingfield bricht sich bei einem Rennen in Lebach im September ein Bein und wird eingeschläfert.
  • 2015: Der Hengst Sandano stirbt nach einem Rennen in Bremen im Dezember.
  • 2016: Der Wallach Elkantino bricht sich am 17. Februar das Bein in Dortmund und wird eingeschläfert.
  • 2016: Der Hengst Multistar stirbt nach dem Rennen in Köln im April.
  • 2016: Der Wallach Letro stirbt am 5. Juni auf der Mannheimer Rennbahn nach einem Aortaabriss.
  • 2016: Die Stute Iffinvasion bricht sich beim Rennen in Bad Doberan am 20. August das Bein und wird eingeschläfert.
  • 2016: Der Wallach Petite Gold und der Hengst Weißer Sterben brechen sich jeweils am 12. September in Krefeld ein Bein und werden eingeschläfert. 
  • 2016: Die Stute Rubylana bricht sich am 25. September in Dresden beim Rennen das Bein und wird eingeschläfert.
  • 2016: Der Hengst Global Thunder erleidet am 3. Oktober in der Rennbahngemeinde Hoppegarten nahe Berlin einen Aortaabriss.
  • 2017: Der Wallach North Germany stirbt auf der Mannheimer Rennbahn nach einem Zusammenbruch am 26. März.
  • 2017: Der Wallach Just New bricht sich beim Rennen in Zweibrücken am 23. April ein Bein und wird eingeschläfert.
  • 2017: Der Wallach Coeur Link bricht sich beim Rennen in Köln am 25. April zwei Beine und wird eingeschläfert.
  • 2017: Der Hengst Dynamite Kid bricht sich beim Rennen in Köln am 7. Mai ein Bein und wird eingeschläfert.
  • 2017: Der Hengst Newerly verstirbt am 14. Mai nach einem Rennen in der Rennbahngemeinde Hoppegarten nahe Berlin.
  • 2017: Die Stute Mon Petit Fleur erleidet beim Rennen in Düsseldorf am 31. Mai einen Beinbruch und wird eingeschläfert.
  • 2017: Der Hengst Navajo Boy bricht sich im Juli das Bein beim Rennen in Mannheim und wird eingeschläfert.
  • 2017: Die Stute Sarisha stirbt nach einem Rennen im September in Hannover. Die Stute Manama, die Siegerin dieses Rennens, behält durch einen Gleichbeinbruch einen Sehnenschaden und wird eingeschläfert.
  • 2017: Die Stute Zitat stirbt nach einem Rennen in Dortmund - ebenfalls im September.
  • 2018: Der Wallach Landslide zieht sich im April in Magdeburg beim Rennen eine Muskelverletzung zu, infolgedessen er eingeschläfert wird.
  • 2018: Die Stute Golden Rain erleidet einen Aortaabriss beim Rennen in München im Mai.
  • 2018: Die Stute Andiamo erleidet ebenfalls einen Aortaabiss im Mai in der Rennbahngemeinde Hoppegarten nahe Berlin.
  • 2018: Die Stuten Tabanike und Molly Moon werden in Hamburg eingeschläfert – beide hatten sich bei einem Rennen auf der Horner Rennbahn einen Bruch an der Hinterhand zugezogen.
  • 2018: Der Hengst Amun lahmt nach dem Rennen in Hamburg im Juli und wird im späteren Verlauf eingeschläfert.
  • 2018: Der Wallach Kazzun verletzt sich an einem Zaun nach dem Rennen in Leipzig im Juli so schwer, dass er eingeschläfert wird.
  • 2018: Der Wallach Wilamendhoo bricht sich beim Rennen in Leipzig im September das Bein und wird daraufhin eingeschläfert.
  • 2018: Die Stute Namara erleidet einen Beinbruch beim Rennen in Baden-Baden im Oktober und wird daraufhin eingeschläfert.
  • 2018: Der Wallach Octavian erleidet ebenfalls einen Beinbruch im Oktober und wird eingeschläfert - nach dem Rennen in Hannover.
  • 2019: Der Hengst Hyper Hyper wird aufgrund eines Schulterbruchs im März eingeschläfert, im April der Hengst Radmaan, nachdem er reiterlos gegen eine Streckenbegrenzung krache – beide Vorfälle ereigneten sich auf der Mannheimer Rennbahn.
  • 2019: Der Wallach A Train erleidet ebenfalls im April einen Beinbruch und wird eingeschläfert - nach dem Rennen in Mülheim.
  • 2019: Der Wallach Four On Eight erleidet am 19. Mai in Karlsruhe einen Beinbruch und wird eingeschläfert.
  • 2019: Der Hengst Astone Man stirbt am 10. Juni, nachdem er auf der Galopprennbahn Köln-Weidenpesch verunglückte.
  • 2019: Der Hengst Peppone erleidet einen Aortaabriss am 23. Juni in Hannover.
  • 2019: Der Wallach Captain Von Trappe stirbt am 3. Juli beim Seejagdrennen durch Genickbruch auf der Horner Rennbahn in Hamburg.
  • 2019: Der Hengst Gepard stirbt am 7. Juli, da er aufgrund eines Fessel- und Röhrbeinbruchs sofort eingeschläfert werden musste, auf der Horner Rennbahn in Hamburg.

Neben dem leichtfertig in Kauf genommenem Todesrisiko der Pferde leiden diese bereits vorher schon enorm. Die Pferde werden viel zu früh unter grausamen Methoden zu Rennpferden trainiert. Das Skelett und die Sehnen sind noch nicht richtig ausgebildet, die Knochen der Pferde noch nicht stark genug, um den Geschwindigkeiten der Rennen standzuhalten. Körperliche Folgeschäden sind vorprogrammiert. Die Pferde sind anfälliger für Stürze und schwere Verletzungen, die häufig zum Tod führen. Damit die Rennpferde bei diesem physischen und seelischen Stress weiterhin Höchstleistungen bringen, werden ihnen oft leistungssteigernde und schmerzunterdrückende Medikamente verabreicht. Der Einsatz von brutalen Peitschenschlägen, scharfem Zug am Gebiss und verbotenen Zungenbändern ist ebenfalls an der Tagesordnung.
 
Die Folge dieser Torturen: frühzeitiger Tod. Häufige Todesursachen sind schwere Knochenbrüche durch Stürze, Herz-Kreislauf-Versagen, Aorta-Abrisse und (Stress-)Koliken.

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