Abschied von Bonny: Nachruf für einen Lausbub und Rosenkavalier

Sechs Jahre lang waren wir Bonnys Familie. Wir verabschieden ihn mit einem lachenden und einem weinenden Auge.Sechs Jahre lang waren wir Bonnys Familie. Wir verabschieden ihn mit einem lachenden und einem weinenden Auge.Wir nehmen schweren Herzens Abschied von unserem Bonny, der seit August 2014 in unserer Obhut lebte und kürzlich verstarb. Als echter Charakter-Hund war Bonny bekannt dafür, nach seinen eigenen Regeln zu leben. Er war nicht konfliktscheu – ganz im Gegenteil –, aber bei seinen Vertrauten schmusig. Und er schnarchte auf dem Rücken, dass sich die Balken bogen. Leider ist es uns trotz mehrmaliger Vermittlung nicht gelungen, für Bonny ein dauerhaftes Zuhause zu finden. Wir haben versucht, ihm die Zeit hier so angenehm wie möglich zu machen. Uns tröstet, dass er mit seiner Hunde-Clique und fürsorglichen Menschen wie seiner Bezugsgassigeherin Uta Steinführer, die ihm einen denkwürdigen Nachruf verfasst hat, viele schöne Momente verbringen konnte. Bonny steht für viele Schützlinge, die ihr gesamtes Leben bei uns im Tierheim bleiben müssen. Daher möchte wir die berührenden Worte von Uta Steinführer im Folgenden sehr gerne mit Ihnen teilen.

„Triple B“ (Berserker-Bonny aus der Besenkammer) verlässt SEIN Tierheim für immer

Meine Geschichte mit Bonny begann vor sechseinhalb Jahren damit, dass er mir zur letzten Gassirunde des Tages rausgegeben wurde. Mein Kommentar „Was soll ich denn mit dem?“ wurde mit dem Gegenkommentar des Tierpflegers „Der muss ja auch mal raus!“ gekontert. Ehrlich gesagt, mochte ich damals gar keine Bulldoggen! Bonny hat mich aber in kürzester Zeit vom Gegenteil überzeugt. Ich nannte ihn zu Beginn nur „das schwarze Loch“, weil alles, was man ihm gab, verschwand! Fressen war sein Leben: Leckerchen und Rinderherzen gehörten ebenso zu seiner Auswahl wie ganze Kaffeefilter, Zigarettenstummel, Essensreste und Sand! Was Bonny außerdem sehr gern mochte, war Autofahren! Was für ein Glück: So konnten wir später Ausflüge in den Sachsenwald, die Boberger Dünen, in den Klövensteen und an die Ostsee machen. 

Bonny, unser Rosenkavalier.Bonny, unser Rosenkavalier.Schon am Anfang wurde ich vor Bonnys Durchsetzungsvermögen, notfalls auch mit Zähnen, gewarnt. Ich habe aber lange nicht geglaubt, dass er beißen würde, bis er es dann auch bei mir versucht hat. Bonny wurde neunmal vermittelt und kam jedes Mal spätestens nach zwei Tagen zurück in SEIN Tierheim – im neuen Zuhause war nämlich sofort alles SEINS und das verteidigte er wie ein Berserker. Am Schluss haben wir alle geglaubt, dass er genau hier im Tierheim sein wollte. Zu seinen Aufgaben hier gehörte die Welpenbetreuung im Hundehaus und später auf der Hundekrankenstation – er hat immer gut auf die Welpen aufgepasst, viel mit ihnen gespielt und Streit geschlichtet. Das war die andere Seite des Berserker-Bonnys. Er konnte sehr böse werden, aber nur selten. Zu 95 Prozent war er ein Traumhund: lustig, intelligent, eigenwillig und, man mag es kaum glauben, auch sehr verschmust und albern. Bonny hatte seine letzten beiden Interessentinnen für Jahre in seinen Bann gezogen, er begrüßte viele Tierpfleger und andere Gassigeher überschwänglich auf dem Gelände und bezirzte sogar seine Physiotherapeutin. Vielleicht lag es daran, dass diese Bulldogge eine Rose halten konnte. 

Galerie: Unser Bonny in Bildern!

"Wir werden Dich vermissen, mit all deinen Ecken und Kanten. Und wir sind sehr dankbar, dass du uns dein Vertrauen geschenkt hast!""Wir werden Dich vermissen, mit all deinen Ecken und Kanten. Und wir sind sehr dankbar, dass du uns dein Vertrauen geschenkt hast!"An dieser Stelle mein aufrichtiger Dank an alle, die ihn mochten und begleitet haben. 

Für mich und meinen Mann war dieser Hund eine echte Bereicherung. Wir haben ihn geliebt und versucht, ihm ein wenig die Zeit zu vertreiben – und natürlich waren wir die Leckerchen-Lieferanten. Wir bedanken uns für die Zeit mit diesem großartigen Hund! Wir vermissen ihn schon jetzt so sehr!

Auch das HTV-Team nimmt Abschied von Bonny, der nach sieben Jahren bei uns im Tierheim an Krebs verstarb. Rassetypisch hatte Bonny als Qualzucht mit einem Keilwirbel zu kämpfen, weshalb er Schmerzmittel erhielt. Die tägliche Physiotherapie tat ihm gut und er zeigte sich bis zum letzten Tag munter, wie seine Tierpflegerin Christina Knorr erzählt. Sie nennt ihn liebevoll einen „kleinen Polizisten“, der die Welpenbetreuung stets gewissenhaft übernahm. Sie berichtet außerdem: „Bonny hatte die wohl kuscheligste Unterkunft im HTV mit seinem ergonomischen Bett, das ihm Uta geschenkt hat, und wenn es kalt war, legte er sich genüsslich unter das Rotlicht.“ Auf seine alten Tage war Bonny vergleichsweise „altersmilde“ geworden, wie seine Tierpflegerin ihn beschreibt, und er hatte sogar noch eine tolle Freundin gefunden. Wir sagen: „Mach’s gut, alter Knabe. In Hamburg sagt man Tschüss!“