Unsere Aras: Reise in ein Vogelleben

Angekommen: Fräulein Moritz und Max begutachten ihr neues Zuhause.Angekommen: Fräulein Moritz und Max begutachten ihr neues Zuhause.Freiflug für Fräulein Moritz und Herrn Max! Unsere beiden Aras zogen jetzt in ihr neues Zuhause im Papageienparadies in Nordrhein-Westfalen, wo sie artgemäß leben und fliegen können. Auf ihrer Reise ins Glück wurden die Schönheiten von unserer Tierheimleiterin Susanne David begleitet.

Am 21. November gegen neun Uhr morgens ging die Reise unserer Dunkelroten Aras Fräulein Moritz und Herrn Max los. Zuvor wurden die beiden behutsam von Susanne David und unserem Tierpfleger Kevin Straube in einem HTV-Tierrettungswagen untergebracht und gesichert. Die Papageien lebten seit gut einem halben Jahr bei uns im Tierheim, nachdem sie bei einer Wohnungsräumung sichergestellt wurden – ihr ehemaliger Halter hatte sie einfach zurückgelassen. Da Aras viel Platz und Freiflug benötigen, haben wir seither intensiv nach einem geeigneten Lebensraum für sie gesucht. Umso erfreuter sind wir, ihn nun gefunden zu haben – rund 230 Kilometer entfernt im Papageienparadies im Landkreis Lippe, das Wolfgang Busse mit seiner Familie privat betreibt. Alle Tiere, die bei ihm so artgemäß wie möglich leben, hat er aus Notlagen befreit. Aktuell beherbergt Wolfgang Busse mehr als 100 Vögel.

Hallo, da seid ihr ja! Wolfgang Busse wirft einen ersten Blick auf unser Ara-Paar.Hallo, da seid ihr ja! Wolfgang Busse wirft einen ersten Blick auf unser Ara-Paar.Es geht allein um die Tiere

Gegen halb 12 Uhr mittags kam Susanne David in Begleitung von HTV-Mitarbeiterin Theresa Gessert aus der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit an. Auch Fräulein Moritz und Herr Max hatten die Fahrt gut überstanden. Das Grundstück der Familie Busse machte schon auf den ersten Blick Eindruck: Mehrere Palmen befinden sich vor dem Haus, das allerlei Deko-Papageien ziert – ob am Klingelschild oder als Statue vor der Haustür. Nach einer freundlichen Begrüßung zeigte Wolfgang Busse den HTVlerinnen zunächst seine Papageien-Pension, in die er 2019 bereits mehr als 250 Vögel aufgenommen hat. Er kümmert sich dort auch um Krallenpflege und fertigt mittlerweile eigene Schnabelprothesen für verletzte Tiere an. Mit allen verfügbaren Mitteln versucht Wolfgang Busse, den Papageien die bestmögliche Lebensqualität zu schenken – und schafft dies vorbildlich. Sogleich wurden die Besucherinnen auch mit einem Schützlingen vertraut gemacht: der zurückhaltenden Amazone Pauli. Sie erholt sich zurzeit von einer kleinen Fuß-OP, kletterte vertrauensvoll auf Wolfgang Busses Schulter und begleitete die Gruppe ins Büro, wo sie schließlich auf der Lehne des Bürosessels vor einem riesigen Papageienbild Platz nahm und döste.

Blick in die große Papageien-Halle, in der unsere Aras nun fliegen können.Blick in die große Papageien-Halle, in der unsere Aras nun fliegen können.Wolfgang Busse zeigte weitere Unterkünfte für Vögel, die nicht gern in der Halle wohnen. Hierfür hat er eigens Konstruktionen gefertigt, wo sich die Tiere auch einzeln zurückziehen sowie zwischen drinnen und draußen wechseln können. Er berichtete von vielen Papageien in Not, die bei ihm ein Obdach finden, von Vögeln, die jahrelang allein in winzige Käfige gesperrt wurden und nicht einmal fliegen konnten. Auch wir kennen die Probleme der schlechten Exotenhaltung und des florierenden Handels leider zur Genüge – in unserem Tierheim befinden sich viele exotische Schützlinge, die aus schlechter Haltung gerettet wurden – einige bleiben auch für sehr lange Zeit bei uns, erläuterte unsere Tierheimleiterin. Auch Wolfgang Busse konfrontiert Menschen, die zu ihm kommen, mit diesen Missständen, denn es geht ihm „allein um die Tiere“. Daher unterstützt er auch erfolgreich bei der Vermittlung von Partnertieren. In den vergangenen fünf Jahren hat er so mehr als 200 Papageien glücklich zusammengebracht.

2009 baute und finanzierte Wolfgang Busse eine Halle für seine Tiere. Die Kosten beliefen sich auf etwa 150.000 Euro. Auf 500 Quadratmetern leben dort exotische Vögel aus fünf Erdteilen zusammen – Aras, Graupapageien, Gelb- und Weißhaubenkakadus, Hyazintara, Amazonen und Molukkenkakadus.

Die Papageien nutzen die Chance auf ein paar frische Schultern und lassen sich herumtragen.Die Papageien nutzen die Chance auf ein paar frische Schultern und lassen sich herumtragen.Unsere Aras kommen gut an

Als unsere Tierheimleiterin Susanne David und HTV-Mitarbeiterin Theresa Gessert die Halle betraten, spazierten bereits die ersten Papageien über ihre Köpfe hinweg und blickten neugierig durch die Gitter des Eingangsbereichs. Drinnen kamen augenblicklich mehrere von ihnen angeflogen und setzten sich – soweit Platz war – auf die Schultern. Es gab eindeutig zu wenige Schultern für diesen gefiederten Andrang! So ein lautes, buntes und fröhliches Gewimmel. Gelbbrustara Rudi hatte Susanne David gleich für sich entdeckt und wich ihr für den Rest des Aufenthaltes nicht mehr von der Seite. Unsere Tierheimleiterin war beeindruckt und auch etwas ehrfürchtig. Von der  mitgebrachte Kamera ging eine besondere Faszination aus: Weißhaubenkakadu Oskar pickte gleich daran und stibitzte ein loses Teilchen. Derweil begann Wolfgang Busse, die Papageien mit Namen zu rufen und wusste gleich zu jedem eine Geschichte zu erzählen. Die Amazone Coco, die auf seiner Schulter saß, hatte einen ganz besonders anrührenden Werdegang. In der Vergangenheit war sie sehr eigen, mochte keine anderen Vögel und verteidigte Wolfgang Busses Schulter eifersüchtig. Dann kam die Amazone Eckhardt in ihr Leben. Eckhardts ehemaliger Halter wollte ihn bei Wolfgang Busse abgeben und erzählte, dass der Papagei ein Freund von Coco sei. Wolfgang Busse spitzte die Ohren und nahm Eckhardt in seine Obhut. Als Coco Eckhardt sah, war sie außer sich vor Freude. Seit acht Jahren hatten sich die beiden nicht mehr gesehen! Seither sind sie unzertrennlich und Coco versteht sich nun auch wunderbar mit anderen Vögeln.

Wolfgang Busse nimmt behutsam Kontakt zu unseren Aras auf.Wolfgang Busse nimmt behutsam Kontakt zu unseren Aras auf.Während Wolfgang Busse von dem Glück der Amazonen berichtete, flog der selbstbewusste Molukkenkakadu Kolumbus heran, der 25 Jahre allein in einem kleinen Käfig in einem Reisebüro hausen musste. Wolfgang Busse hat zwei Jahre mit ihm trainiert, bis er endlich fliegen konnte. Und wie er fliegt! Außerdem klingelt Kolumbus gern fröhlich an einer Glocke, die über dem Eingang hängt. Wie sehr wir uns darüber freuen, dass nun auch unsere Dunkelroten Aras Fräulein Moritz und Herr Max in diesem tollen Umfeld leben können! Durch die Transportbox nahm Wolfgang Busse zunächst behutsam Kontakt zu den Neuankömmlingen auf und schien sofort eine Verbindung zu ihnen zu haben. Der spannende Teil stand nun noch bevor: Nachdem Fräulein Moritz und Herr Max vorsichtig in die Halle getragen wurden, kamen schon die ersten gefiederten Freunde zum Gucken und Staunen. Das war unseren Aras zunächst gar nicht geheuer. Sie saßen schüchtern auf ihren Stangen in der Box und wollten sich nicht so recht bewegen.

Mit liebevollem Zuspruch trauten sie sich schließlich einer nach dem anderen Papageien-Papa Wolfgang Busse zeigt unseren Aras ihren neuen Lebensraum.Papageien-Papa Wolfgang Busse zeigt unseren Aras ihren neuen Lebensraum.aus der Box und kletterten auf die Schulter von Wolfgang Busse, der ihnen weiter Mut zusprach. Nach kurzer Zeit durfte er die beiden schon streicheln. Rudi gesellte sich zu ihnen und auch Coco sagte schon „Hallo“. Auf den Schultern von Wolfgang Busse zogen unsere Aras langsam durch die Halle – so zeigte er Fräulein Moritz und Herrn Max ihren neuen Lebensraum und stellte die WG-Mitbewohner vor. Sie gingen vorbei an unzähligen hängenden Stangen und Sitzmöglichkeiten um den Teich, in dem Koi Karpfen wohnen. Immer wieder hielt Wolfgang Busse inne und zeigte den Vögeln die Umgebung – unsere Aras folgten den Erläuterungen mit ihrem Kopf. Allein dieser Anblick gab Susanne David und Theresa Gessert das gute Gefühl, unsere Dunkelroten Aras hier in den allerbesten Händen zu wissen.

Der Lebensraum lässt keine Wünsche offen

Nicht nur der Umgang mit den Papageien, auch der von Wolfgang Busse geschaffene Lebensraum lässt im Sinne der Tiere keine Wünsche offen. Die Halle verfügt über speziell angefertigte Fenster, die UV-Licht durchlassen, und eine automatische Klimaregulierung. Im Winter wird die Temperatur konstant auf mindestens 10 Grad Celsius gehalten und im Sommer wird es nicht wärmer als 28 Grad Celsius. Die Temperaturen sind bewusst gewählt, damit die Papageien die jeweiligen Jahreszeiten mitbekommen. Ein Tropenklima wird nicht simuliert, da nicht alle dort lebenden Papageienarten im subtropischen Klima beheimatet sind. Wolfgang Busse erläuterte weitere Besonderheiten: „Unterhalb der Halle befindet sich ein Wasserreservoir mit einem Fassungsvermögen von 10.000 Litern. Darin sammeln wir Regenwasser, um die Anlage zu betreiben. Und wir nutzen es auch komplett für die Reinigung der Halle per Hochdruckreiniger.“

Fräulein Moritz und Max werden freudig begrüßt.Fräulein Moritz und Max werden freudig begrüßt.Die Zeit fürs Abendbrot rückte näher – und damit auch die Zeit des Abschieds. Mittlerweile saßen Fräulein Moritz und Herr Max mit einigen anderen Papageien zusammen und aßen Nüsse. Wolfgang Busse verteilte derweil üppige Schalen mit allerlei Körnern und Vitaminzusätzen – 15 Säcke Futter verbraucht er im Monat für die Tiere und allein pro Frühstücksteller bis zu drei Kilogramm Obst. Seit den 70er Jahren setzt sich Wolfgang Busse für das Wohl von Papageien ein, die für ihn die „liebenswürdigsten und intelligentesten Tiere“ sind. Das Papageienparadies, deren Betrieb monatlich etwa 2.000 Euro kostet, ist sein Lebenstraum. Unsere Tierheimleiterin Susanne David ist ganz begeistert: „Wir sind dankbar, mit so engagierten Menschen und diesem tollen Projekt kooperieren zu können, dass unseren Tieren ein artgemäßes Leben ermöglicht.“ Zum Abschluss gab sie Wolfgang Busse noch eine Liste unserer Papageien, um mit ihm über Vermittlungsmöglichkeiten sprechen zu können. Mit Tränen in den Augen verabschiedete sich unsere Tierheimleiterin schließlich und versprach, wiederzukommen.

Die weite Reise und der Aufwand haben sich mehr als gelohnt! Erfolge wie diese zeigen uns, wie wichtig es ist, dass sich der Hamburger Tierschutzverein für alle Tiere stark macht, damit sie wie und Fräulein Moritz und Herr Max entsprechend ihrer Bedürfnisse bestmöglich leben können.

Wie es unseren beiden Aras und ihren gefiederten Freunden geht, können Sie in Echtzeit mitverfolgen. Schauen Sie über die Live-Cams im Papageienparadies vorbei – Hier geht es zur Kamera 1 und hier zur Kamera 2.

Die Bilder vom Umzug unserer Aras finden Sie hier!